WARUM FRÜHER ALLES BESSER WAR

Entschleunigung – mittlerweile ein Modebegriff und zeitgleich trauriges Synonym für ein unbewusstes, verhastetes und überfülltes Leben. So wie das der meisten von uns. Wir sind digitale Sklaven gewisser Socialmedia-Kanäle, werden zum gläsernen Menschen weil permanent erreichbar und mitteilungsbedürftig oder rennen mit dem Kaffee-to-go viel zu schnell von A nach B. 
Da sehnt man sich teilweise arg nach der unbeschwerten guten alten Zeit.
Aber waren wir in Tagen digitalen Ödlands wirklich besser dran als heute?

Rückblende: Felder, Wiesen und Wälder waren mein zweites Zuhause, Bücher mein Zufluchtsort und der Discman meine Wellnessoase. Kaputte Knie, zerzauste Haare und ein Leuchten in den Augen waren meine Mitbringsel nach wilden Spielstunden im Freien.
Doch dann kam der „Knochen“, mein erstes Handy mit abschraubbarer Antenne und Klingeltonabo – und alles änderte sich. Die Nachmittage wurden mit SMS-Schreiben gefüllt statt mit Outdoor-Aktivitäten.
Heim-PCs waren der neueste Shit und plötzlich hatte ich feste Internetzeiten, in denen ich kontrolliert surfen durfte.

Als Myspace und ICQ ein paar Jahre später auf den Plan traten, hatte sich die Welt ein ganzes Stückchen weiter in Richtung Digitalisierung gedreht.
Mit dem Schritt zum ersten, eigen finanzierten Laptop bot sich dann die komplette Freiheit des Internets – und zugleich die ersten Anzeichen von Abhängigkeit.
Bis tief in die Nacht wurde gesurft, erste blogähnliche Versuche auf Myspace gestartet und man verabredete sich bei ICQ.
Das waren die letzten Relikte verlässlicher Verabredungen, die nicht kurzfristig wie heute üblich per Whatsapp abgesagt oder verschoben wurden.
Man knüpfte seine sozialen Kontakte nämlich mittlerweile digital.

Zurück in die Gegenwart: Wir brauchen dringend „Digital Detoxing“ und nehmen uns gelegentlich handyfreie Zeiten. Weil wir nicht mehr wissen, wie Abschalten funktioniert. Gefühlt könnten wir ja enorme Informationen verpassen, wenn wir nicht permanent unsere Socialmedia-Feeds checken. Unsere Partner könnten sich Sorgen machen, wenn bei Whatsapp nicht direkt eine Antwort erfolgt – oder gar die Beziehung anzweifeln.
Auf der anderen Seite bietet Socialmedia auch großartige Optionen der Vernetzung über weite Distanzen hinweg, bringt digitale und mächtige Sprachrohre hervor sowie Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung.
Der Spagat zwischen Abhängigkeit und Nutzen wird also oftmals zur Zerreißprobe. Hier sollte jeder einfach seinen Digitalkonsum reflektieren und wenn nötig von Zeit zu Zeit reglementieren, damit wir wieder lernen, uns auf uns selbst zu besinnen und leichter abschalten zu können.

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